Unterwegs im bergigen Hinterland des ligurischen Apenin wollen die Kurven kein Ende nehmen. Wilde Schluchten, Schiefersteinbrüche, an die Berghänge geklebte Dörfer, ursprüngliche Wälder und in mühseliger Arbeit angelegte Terassenhänge, die kultiviert werden, lösen sich ab. Kirchen, verfallene und liebevoll restaurierte Häuser. Türen, Fenster abbröckelnde Farbe und Putz. Futter für die Sinne
Ich gebe zu, die Geschichte dieses rührigen Bürgermeisters hat mich neugierig gemacht. Vor dreißig Jahren hat er das Ruder seiner rückständigen, weitläufigen Gemeinde herumgerissen – hat Fördergelder der EU erkämpft und die Mitglieder seiner 14.000ha großen Gemeinde mit 27 abgelegenen Bergweilern dazu gebracht, gänzlich auf Biokultur umzustellen, wovon die Bewohner heute gut leben können.1999 erhielt Varese Ligure als erste Gemeinde Europas eine Auszeichnung mit einem Ökozertifikat
Noch dazu ist das kleine Städtchen eine wahre mittelalterliche Perle, mit einem einzigartigen, schneckenförmig angelegten Ortskern, der früher einen ausgezeichneten Schutz nach aussen versprach, während im Inneren lebendiges Treiben herrschte
Das Foto ist geklaut, aber sonst kann man sich das gar nicht vorstellen
Stilecht übernachten wir in einem idyllisch gelegenen Agriturismo mit Ausblick
Lecker Essen, nächtliche Ruhestörung durch Käuzchen und im Dach wütende Siebenschläfer und ein anhänglicher, lustiger Hund inklusive
Sie haben uns schon ganz schön verunsichert, die Camper, die sich auch hoch in die Berge verirrt haben: „Chaos“, „Stau“, „Leute die sich tottreten trotz Corona…“
Unser Kompromiss fühlt sich in Ordnung an. Etwas weiter weg vom Meer und den ’schönsten Dörfern Italiens‘, dafür mit Bus-Shuttle und Zuganschluss (billig!) mitten rein in das Getümmel.
Es bleibt bei einer Etappe des berühmten Küstenwanderwegs
bis nach Vernazza
Dort lockt uns das Meer und nach dem ausgiebigen Baden machen wir uns wieder auf den Heimweg
Gute tausend Jahre liegt das kleine Pontremoli (ponte – Brücke, tremolare – zittern) schon strategisch günstig zwischen der Po-Ebene und den reichen Städten der Toscana. Noch immer ist der mittelalterliche Charme im centro storico, einer einzigen Strasse auf einer kleinen Insel, erhalten. Netter kleiner Ort
Mitten im Nirgendwo und doch nicht wirklich weit von der liturgischen Küste entfernt. Steile Hänge rechts und links. Ein winziges Bergdorf, indem es weder eine Bar noch irgendeinen anderen Ort gibt, an dem man etwas kaufen könnte. Und doch sagt Google, dass hier ein Campingplatz sein soll. Der erstmal gefunden sein will über unscheinbare Schotterwege
Still ist es hier, mal abgesehen von den lebendigen Rasenmähern
und den Uhus und Käuzchen in der Nacht.
Ein Berg will auch erwandert werden. Drei Stunden aufwärts durch Kastanien und Buchenurwald über steile Schotterwege
Hier und da riecht es verräterisch lecker nach dem Gold des hiesigen Waldes
Die Steinpilze aus dieser Gegend sind die einzigen, die sogar ein DOC-Siegel tragen. Sammeln verboten, außer in bestimmten Bereichen und nur mit gekaufter Genehmigung.
Was wohl die zahlreichen, den Wald durchstreifenden (und uns misstrauisch beäugenden) Italiener in ihren Körben herumgetragen haben???
Also brav weitermarschiert und den Gipfel gesucht, der tatsächlich etwas Aussicht für uns bereit hatte
– in der Po-Ebene gibt es wirklich nicht allzuviel zu sehen, außer plattem, landwirtschaftlich geprägten Land. Tatsächlich wird rund um Parma ein Haufen leckeres Zeug produziert, wie der Parmaschinken, Parmesan, Barilla-Nudeln und die allgegenwärtigen Tomatenprodukte von Parmalat. Könnte also ein kulinarisches Highlight sein ,wenn es mir nicht in Parma selbst zu voll und trubelig gewesen wäre
Wir landen dann unweit von Parma in einem Agriturismo, das nett aber auch von Coronazeiten gezeichnet ist, weshalb wir uns dort selbst versorgen
(mit Parmaschinken und Parmesan natürlich)
Die Moskitos hatten übrigens ihre eigene Vorstellung davon, wer ein kulinarisches Highlight ist…
Irgendwie fällt es schwer, anzukommen im Urlaubsmodus…
Es findet sich kein Ankommen, die Ruhe und Gelassenheit will sich nicht einstellen, kleine Unglücke reihen sich aneinander. Nichts wirklich dramatisches, aber es fühlt sich auch nicht richtig an.
Dann der Platz am See versöhnt
Auch wenn der Lieblingsohrring verloren geht. Dafür hilft gefühlt der halbe Campingplatz mit allen verfügbaren Taschenlampen bei der Suche – so nett!!!
Am Morgen dann ein ausgiebiges Wasserplanschen mit grandiosen Panorama
Die 2,5 Stunden Wanderung auf den Hausberg gerät dank Mister ‚ichkenndaneabkürzung‘ zu einer 4 Stundenrunde – zugegebenermaßen war es eine sehr Schöne!
Am linken Seeufer des linken Sees steht übrigens unser Zelt