dieser verrückte, laute, dreckige, bunte, quirlige, chaotische Abenteuerspielplatz.
Tausend Dinge zu entdecken und dabei aufpassen, dass man nicht von Motorrädern überfahren wird, in irgendeinem Loch in der Straße verschwindet, freundlich in den nächsten Laden befördert oder Blumen ins Haar und rote Punkte auf die Stirn gemalt bekommt
Ich liebe diese Präsenz der Religionen an jeder Ecke. Sei es über Tempel(-chen) und Stupas, über Musik und Gesang, über die alltäglichen Rituale. Mit großer Selbstverständlichkeit wird von den Menschen Sorge getragen für die heiligen Plätze und diese gereinigt und geschmückt. Gleichermaßen dürfen Kinder spielen, Hunde und Tauben finden ihren Raum und auch wir Touristen dürfen teilhaben
Der Straßenverkehr sprengt jede Vorstellungskraft. Neben der unglaublichen Geräuschkulisse durch Motoren und Dauerhupen rauben einem die Abgase und der Staub jede Luft zum Atmen – aber das wundersamste ist, wie dieses Chaos überhaupt funktioniert – ohne Schwarmintelligenz kann das überhaupt nicht möglich sein…
Es ist nur ein kleines Teilstück auf diesem 37 Etappen umfassenden Höhenwegs von Ventimigliana nach La Spezia, unser Weg vom Passo di cento croci auf den Monte Gottero.
Vorbei an den Windmühlen, steil (was sonst!) bergauf durch naturbelassene Buchen und Steineichenwälder
die von wunderlichen Wesen bewohnt sind.
Der Gipfel will vor lauter Wald gefunden werden, präsentiert sich dann aber doch erstaunlich aussichtsreich
Ein schöner Ausflug auf den höchsten Berg dieses Teiles des ligurischen Apenin und eine kleine Ahnung davon, wie anspruchsvoll die Etappen des Alta Via dei Monti liguri wohl sind
Unterwegs im bergigen Hinterland des ligurischen Apenin wollen die Kurven kein Ende nehmen. Wilde Schluchten, Schiefersteinbrüche, an die Berghänge geklebte Dörfer, ursprüngliche Wälder und in mühseliger Arbeit angelegte Terassenhänge, die kultiviert werden, lösen sich ab. Kirchen, verfallene und liebevoll restaurierte Häuser. Türen, Fenster abbröckelnde Farbe und Putz. Futter für die Sinne
Ich gebe zu, die Geschichte dieses rührigen Bürgermeisters hat mich neugierig gemacht. Vor dreißig Jahren hat er das Ruder seiner rückständigen, weitläufigen Gemeinde herumgerissen – hat Fördergelder der EU erkämpft und die Mitglieder seiner 14.000ha großen Gemeinde mit 27 abgelegenen Bergweilern dazu gebracht, gänzlich auf Biokultur umzustellen, wovon die Bewohner heute gut leben können.1999 erhielt Varese Ligure als erste Gemeinde Europas eine Auszeichnung mit einem Ökozertifikat
Noch dazu ist das kleine Städtchen eine wahre mittelalterliche Perle, mit einem einzigartigen, schneckenförmig angelegten Ortskern, der früher einen ausgezeichneten Schutz nach aussen versprach, während im Inneren lebendiges Treiben herrschte
Das Foto ist geklaut, aber sonst kann man sich das gar nicht vorstellen
Stilecht übernachten wir in einem idyllisch gelegenen Agriturismo mit Ausblick
Lecker Essen, nächtliche Ruhestörung durch Käuzchen und im Dach wütende Siebenschläfer und ein anhänglicher, lustiger Hund inklusive
Sie haben uns schon ganz schön verunsichert, die Camper, die sich auch hoch in die Berge verirrt haben: „Chaos“, „Stau“, „Leute die sich tottreten trotz Corona…“
Unser Kompromiss fühlt sich in Ordnung an. Etwas weiter weg vom Meer und den ’schönsten Dörfern Italiens‘, dafür mit Bus-Shuttle und Zuganschluss (billig!) mitten rein in das Getümmel.
Es bleibt bei einer Etappe des berühmten Küstenwanderwegs
bis nach Vernazza
Dort lockt uns das Meer und nach dem ausgiebigen Baden machen wir uns wieder auf den Heimweg
Gute tausend Jahre liegt das kleine Pontremoli (ponte – Brücke, tremolare – zittern) schon strategisch günstig zwischen der Po-Ebene und den reichen Städten der Toscana. Noch immer ist der mittelalterliche Charme im centro storico, einer einzigen Strasse auf einer kleinen Insel, erhalten. Netter kleiner Ort